Auf der Demo.
Wir schreiben also das Jahr 2012. Bald wird die Erde untergehen. Doch vorher wird noch ordentlich protestiert. Etwas spät, möchte man meinen. Doch andererseits heißt es ja auch, besser spät als nie.
Der 1.Mai ist ja traditionell zum Protestieren gemacht. Warum eigentlich? Für die mit Wissenslücke : http://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Mai
Damals war man also mit dem 12 Stunden Tag nicht zufrieden und ging auf die Straße. Heute arbeiten wir die 12 Stunden gerne, die Schweizer haben vor kurzem sogar ein paar Tage mehr Urlaub ausgeschlagen, per Volksentscheid. Nein, heut zu Tage klagt man selten über zu viel Arbeit, es sind andere Dinge, die die Menschen auf die Straße bringen. Bei den meisten sind es ihre ganz persönlichen.
Der Hartz IV Empfänger protestiert gegen Hartz IV, der mit Arbeit gegen hohe Steuern, die Studenten gegen Atom und alle zusammen gegen zu hohe Benzin und Öl- Preise. Alle anzutreffen bei den DGB Demos in deiner Stadt.
Doch es gibt auch andere Demos, meist parallel oder etwas später angesetzt. Und nicht angemeldet. Wie jedes Jahr nicht. Niemand da, der für das Chaos bürgt.
Die Autonome 1.Mai Demo in Wuppertal ist so eine. In den 80 Jahren von der Hauptdemo abgespalten, fand sie dieses Jahr zum 25. Mal statt. Es ist eine von der Antifa organisierte Veranstaltung und das Thema ist jedes Jahr das gleiche. Rechtsextremismus und Faschismus in Deutschland. Und jedes Jahr ist es so aktuell wie nie.
An dieser Demo nehmen jedes Jahr ca. 200 Leute teil. Treffpunkt ist vor dem Autonomenzentrum, dort fängt das Spektakel an.
Den Weg zum AZ weisen einem die zahlreichen Polizeisperren rund um den Ort des Geschehens. Es sind sehr junge Beamte für diese Posten gewählt. Sehr sympatisch fragen sie nach dem Ausweis und schauen etwas betreten bis die Antwort der Zentrale kommt. Und nervös sind sie, die Armen. Sind ja nicht darauf trainiert, mit den Demonstranten Tee zu trinken. Sondern auf den Ernstfall. Davon muss immer ausgegangen werden.
Vor dem AZ ist kurz vor Beginn gähnende Leere, der Block ist drin und der Rest noch nicht da. Die Polizei wartet auch schon gespannt.
Nach und nach treffen weitere Leute ein, doch wohl weniger als in den Jahren zuvor. Es sind hauptsächlich Jugendliche, Schüler, Studenten. Drei betrunkene Punks sind auch dabei. Dann noch ein paar Linke, der eine oder andere Grüne. Sogar eine Gruppe älterer Menschen. Und natürlich das bisschen Antifa aus dem AZ. Nur Ausländer fehlten. Außer zum gucken. Da die Wuppertaler Moschee direkt gegenüber dem AZ gelegen ist, blieben ein paar Besucher nach dem Gottesdienst auf der Straße und schaute ob und was passiert. Nur eine türkische Familie stand in der unmittelbaren Nähe, doch hinter einer Mauer. Sicher geschützt.
Die Demonstranten hatte Schilder und Fahnen dabei, der Block war vermummt und in schwarz, doch es waren nicht viele da.
Es wurde geredet und Flyer verteilt, aus den Boxen auf dem Dach des AZ kam Musik. Die Polizei schaute zu und genoss die Sonne.
Unterbrochen wurde dieses nette Beisammensein durch einen jungen Mann mit einem Akkordion auf dem Dach des AZ. Er spielte einige Lieder und machte ein paar witzige Sprüche zu der Polizei.
Durch die Polizeilautsprecher wurde mitgeteilt, dass die Veranstaltung nicht angemeldet sei, doch die Polizei dieses Personenaufkommen trotzdem für eine eben solche hält. Darum sollte bitte ein Veranstaltungssprecher ernannt werden, welcher dann, die Route und den restlichen Ablauf der Veranstaltung mit der Polizei bespricht. Trotz mehrmaligen Wiederholens dieses Anliegens, fühlte sich niemand der Teilnehmer dieses Sit-ins dazu berufen, diese Verantwortung zu schultern.
In der Zwischenzeit verkündete eine dramatisch klingende Frauenstimme aus den Lautsprechern des AZ die Notfallnummer, welche die gebannten Zuhörer wählen sollten, wenn sie sich an diesem Feiertag im Gefängnis wieder finden.
Die Rede zum Stand der Dinge, wurde ein paar Mal von der Polizeidurchsage unterbrochen, die aber sofort niedergepfiffen worden ist.
Verstehen konnte man aber leider trotzdem nicht viel, da untereinander ununterbrochen gelabert wurde. Es erinnerte stark an Schule.
In der Rede wurde nochmal an die Morde an Ausländern erinnert und die Verwicklungen der V-Leute der Polizei angesprochen, sowie deren Rolle in der Parteiarbeit der NPD. Außerdem ging es um die schnell wachsende Naziszene in Dortmund und die Verantwortlichen der Stadt, die solange geschlafen haben.
Da kein Veranstaltungssprecher zu finden war, geleitete die Polizei die Demonstrierenden zum Schusterplatz, wo noch mal eine kleine Kundgebung statt fand. Darin wurden die Leute aufgerufen, sich an den Blockupy Protesten in Frankfurt zu beteiligen.
Alles in allem war es “nett” doch die Inhalte, die Ansprache fehlte zum Teil. Einen detaillierten Bericht zu den 1.Mai Protesten in Wuppertal findet ihr hier: http://basta-wuppertal.de/2012/05/unterm-strich-ein-erfolg/




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